Meine Blogs & ich – Liebe mit Hindernissen


Ich kann nicht genau sagen, wie viele Jahre ich bereits blogge. Aber eines ist sicher: ich bin ein ziemlicher Blog-Rabenvater. Die ersten Jahre wird der Sprössling immer bestens umsorgt. Doch dann plötzlich …

Ich muss es so klar sagen, es hilft ja nichts. Ich habe mich der massiven Blogvernachlässigung schuldig gemacht und bereits drei Blogs auf dem Gewissen. Einer wurde vollständig liquidiert, die anderen beiden (eBooks-Autoren & Diary on Tour) fristen eine seelenlose Existenz in den Weiten des World Wide Web.

Wie es so weit kommen konnte? Gute Frage. Ich suche in meinem Blog-Tagebuch nach einer Antwort.

Die Beziehung im Schnelldurchlauf:

  • Alles ist neu – Abenteuer pur!
  • Die Anfangseuphorie schwindet, der Blog wird Routine.
  • Kommentare und Besucher bleiben aus → die Motivation sinkt
  • 1. Blogkrise
  • Projekte, in die man viel Zeit investiert hat, verpuffen → die Motivation sinkt weiter
  • 2. Blogkrise
  • Das Leben meldet sich zu Wort → die Zeit wird knapp
  • 3. Blogkrise
  • Die Beiträge werden unregelmäßiger → die Besucherzahl nimmt weiter ab
  • 4. Blogkrise

… 100 Blogkrisen später …

Die Motivation ist auf dem Nullpunkt, der Blog macht keinen Spaß mehr. Mehr noch, er tut weh, er sieht mich mit vorwurfsvollem Blick an als wolle er sagen: DU bist schuld. DU hast mich falsch angezogen. DU hast mich Quatsch erzählen lassen. DU … DU … DU !

Und dann platzt mir der Kragen und ich schlage zurück. Ich haue dem Blog alles um die Ohren, was mir in den letzten Jahren in dunklen Momenten durch den Kopf schoss. Dass er eigentlich ganz schön langsam ist, dass er ne hässliche Header-Fresse hat, dass seine Plugins und Widgets ständig abkacken, dass seine ständigen Updates nerven, dass seine Facebookseite tot ist, dass Google ihn uncool findet, dass …

Ich mache Schluss mit ihm, schmeiße ihm die Fotoalben mit den gemeinsamen Erinnerungen vor die Füße und gehe wortlos davon. Es ist aus. Für immer.

Plötzlich sind dann auch die Leser da und wollen wissen, was los ist. Im Netz verkünde ich, dass ich mich verändern will, dass es einfach nicht mehr passte, dass es eine einvernehmliche Trennung war. Mein Blog & ich – wir sind jetzt Freunde.

Denn die Wahrheit wäre zu schmerzhaft. Mir blutet das Herz. Ich habe ihn geliebt, diesen Blog, mit all seinen Fehlern. Und er liebte mich. Wir glaubten füreinander bestimmt zu sein. Wir dachten, es wäre für immer.

Aber das hat die Welt nicht zu interessieren. Ich bin nun wieder bloglos und frei. Ich lächele tapfer und tue so, als wäre diese Trennung das Beste, was mir passieren konnte.


Einige Monate später frage ich mich immer wieder, wie es so weit kommen konnte, ob ich die Warnsignale nicht gesehen haben, ob der Blog und ich nicht zusammen passten. Meist finde ich keine zufrieden stellenden Antworten. Am Ende nehme ich mir vor, es beim nächsten Mal besser zu machen. Etwas muss man sich ja vornehmen. Positive Energie und so.


Einige Jahre später stehe ich wieder vor einem Scherbenhaufen. Geschichte hat sich wiederholt, trotz der Erfahrung. Aus Fehlern lernen? Ich doch nicht. Wieder tut es weh. Anders als beim ersten Mal, aber nicht minder schlimm.

Nun ist auch noch der Anfängerbonus weg. Das macht es nicht unbedingt leichter, sich die eigenen Fehler zu verzeihen. Hals über Kopf stürze ich mich in die nächste Beziehung. Und als wäre dies nicht schlimm genug, ist der neue Partner auch noch vergeben. Es entwickelt sich eine Dreiecksbezeihung zwischen Autoris, Bookosa und mir.

Dennoch wird mir bald klar. DAS ist es, so möchte ich leben. Als nach einem Jahr die ersten ernsten Probleme in der Beziehung auftauchen, beschließe ich nichts unter den Tisch zu kehren. Ich spreche meine Ängste und Sorgen aus, vertraue mich jemandem an und beginne meine Blog-Beziehung zu pflegen.

UND DIESES MAL ÜBERSTEHE ICH DIE KRISE