Frust vs. Freude – Die Geburtsstunde der Aufbau-Wand


Am 8. April 2015 erhielt ich eine Mail, in der sich eine aufgebrachte Autorin beschwerte, dass ich ihren Beitrag zu meiner Aktion Angry Author nach knapp zwei Wochen immer noch nicht bearbeitet hätte. Ich hatte sie zwar im Vorfeld sehr freundlich darauf hingewiesen, dass es etwas dauern kann, da ich noch auf andere Beiträge warte, aber das schien besagte Person nicht zu interessieren.

Normalerweise kann ich solchen Online-Frust gut kanalisieren, doch diese Autorin vergriff sich dermaßen im Ton, dass mein Frust-Fass überlief, ehe ich dem Ärger auf dem Rad davonfahren konnte. Mit wild pochendem Herzen schrieb ich ihr folgende Antwort:

Liebe Frau S.,

natürlich verstehen wir Ihren Ärger. Bitte entschuldigen Sie, dass unser Kundenservice sie nicht täglich über den Fortgang der Aktion informiert hat. Dies war sehr nachlässig von uns und unverzeihlich.

Wie Sie sicherlich wissen versteht sich unser Unternehmen Ein-Mann-Blog als internationaler Konzern und möchte Kunden rund um den Globus zufrieden stellen. Unsere stetig wachsende Belegschaft (seit Gründung wurden bereits zwei Katzen eingestellt) bemüht sich fortwährend, die Kundenwünsche in unserem patentierten 24-7-Prinzip zu erfüllen.

Daher möchten wir es auch nicht als Ausrede gelten lassen, dass unsere Belegschaft noch so etwas wie ein Privatleben hat. Auch möchten wir es nicht als Argument ins Feld führen, dass ein Teil der Belegschaft vor wenigen Tagen mit dem überraschenden Tod eines Familienangehörigen konfrontiert wurde.

Denn Sie wissen so gut wie wir: dies wären alles nur Ausreden eines Großkonzerns (aktueller Börsenwert: 3,23 Buch), die ihren berechtigten Ärger nicht mildern könnten. Verglichen mit Ihrem Problem sind dies Bagatellen.

Wir sehen es daher als unsere Pflicht an, in Zukunft Beerdigungen von Verwandten zu schwänzen und private Probleme hintenan zu stellen.

Wir bitten Sie nochmals aufrichtig um Verzeihung.

Hochachtungsvoll

Ihr Michael
1. Vorsitzender der Ein-Mann-Blog AG

Glücklicherweise schickte ich diesen Text zunächst meiner lieben Schreib-Freundin Aurelia (Schön, dass es dich gibt!), die meinen Frust wie ein Schwamm aufsog und mich davon überzeugte, dass diese Frau eine solche Antwort zwar verdiene, aber sie eigentlich gar nicht wert sei. Außerdem solle ich mich lieber über das tolle Feedback vom Aufbau Verlag freuen.

Und das tat ich dann auch in vollen Zügen. Ich freute mich über die Auszeichnung zum LitBlog-Liebling der Woche als hätte ich gerade den Literaturnobelpreis gewonnen. Und ich freute mich über den netten Kontakt zu – nennen wir sie – Frau Aufbau 😉 , der auf dieses Posting folgte.

An diesem Abend, streng genommen war es tief in der Nacht, beschloss ich, diese beiden so unterschiedlichen Blog-Erlebnisse, die zufällig auf denselben Tag fielen, nicht wie bisher nebeneinander in mein Blog-Sticker-Album zu kleben, sondern das positive Erlebnis zu betonen.

DIE AUFBAU-WAND WAR GEBOREN