Den Tag nicht vor dem Abend verfluchen


03.06.2015: ca. 18 Uhr – totale Finsternis

Ihr Lieben,

wie und wo soll ich anfangen … ich weiß es nicht. Das Schreiben und Denken fällt mir heute ungewohnt schwer … leider auch das Lachen.

Die Woche begann so gut … am Montag startete das Bookosa #Buchduell und wurde von euch mit Applaus empfangen, am Dienstag bemerkt ich, dass eine US-amerikanische Autorin eines meiner Bookosa-Videos auf Facebook geteilt hatte und war vor Freude völlig aus dem Häuschen

Aber irgendwas muss ich dem Leben getan haben, dass es mir jedes Mal, wenn es bergauf geht und ich mich darüber freue, einen fetten Arschtritt verpasst.

Ich könnte euch etliche Beispiele nennen, vor allem aus meinem Leben als Autor. Zwei Schritte vor, mindestens eineinhalb zurück. Ich habe mich daran gewöhnt und es ein Stück zu meiner Lebensphilosophie gemacht. Wenn man erstmal akzeptiert, dass der eigene Weg steinig ist und es nicht andauernd voran geht, dann verliert der viel gefürchtete Stillstand seinen Schrecken. Scheitern ist nicht länger das Gegenteil von Erfolg, sondern eine Etappe wie jede andere.

Wer jetzt denkt, ich wäre einer dieser Positivverdreher, die aus allem krampfhaft das Gute raussaugen, der irrt. Auch ich würde oft gerne schneller vorankommen. Ich muss nicht jeden Fehler selber gemacht haben und ich lerne auch nicht aus jedem. Barfuss durch Scheiße zu laufen hat auf mich weder eine heilende Wirkung, noch bringt es mich der Erleuchtung näher.

Ich erzähle euch dies alles, um zu verdeutlichen, dass ich auf dem Gebiet der Arschtrittologie über eine gewisse Erfahrung verfüge. Ich bin quasi Experte, habe eine stattlich anerkannte Zusatzausbildung in „dickes Fell anlegen“ und „Stehaufmännchentum“. Mich wirft nichts so schnell aus der Bahn.

Dennoch ist letzteres heute geschehen. Weil mich der aktuelle Arschtritt völlig unvorbereitet trifft und ich ihn nicht verstehe. Ja, ich verstehe ihn nicht und das macht es so schwer.

Was ist passiert? DAS:

YouTube Konto deaktiviert

Screenshot meines YouTube-Kontos am 03.06.2015 – Dein Konto wurde dauerhaft deaktiviert.

Mein Bookosa-YouTube-Kanal ist seit heute morgen gesperrt – dauerhaft deaktiviert. ALLES ist mit einem Mal weg, ohne Vorwarnung. Und ich kann euch nicht einmal genau sagen, wieso. Ich habe von YouTube eine Standardmail bekommen, in der etwas von Verstoß gegen Nutzungsbedingungen steht. Was ich konkret gemacht haben soll, erfahre ich dort leider nicht. Glaubt man diversen Foren im Internet ist ein Widerspruch fast aussichtslos und YouTube konkretisiert die Vorwürfe auch auf Nachfrage nicht.

Ich möchte nicht ausschließen, dass ich etwas falsch gemacht habe. Objektiv betrachtet dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass dies der Fall ist sogar deutlich höher sein, als die, dass es sich bei der Kanal-Sperrung um ein YouTube-Justizirrtum handelt. „Unschuldig verbannt! Administrator kommt versehentlich auf den falschen Knopf.“

Zugegeben, ich klammere mich an diese fiktive Schlagzeile. Ein Akt der Verzweiflung, weil mir die Hände gebunden sind und ich mich so ohnmächtig fühle. Wogegen soll ich Widerspruch einlegen, wenn ich nicht mal weiß, was man mir vorwirft. Die Richtlinien umfassen quasi alles.

Wer meine Videos kennt wird meine Verzweiflung noch besser nachempfinden können. Ich stelle auf meinem Kanal Bücher vor … in meinem selbstgebauten Buchlabor. Dort sind keine anderen Personen, kein öffentlicher Raum, keine … ich verstehe es einfach nicht. Ich verwende ausschließlich Musik von YouTube, Autoren und Verlage sind von den ungewöhnlichen Buchpräsentationen begeistert, ihr Zuseher voll des Lobs.

Nochmal, mir geht es nicht darum, mich hier vorschnell in die Opferrolle zu begeben. Sollte ich aus Unwissenheit (schützt bekanntlich vor Strafe nicht) etwas Gravierendes falsch gemacht haben, das diese rote Karte rechtfertigt, dann bin ich der letzte, der dagegen aufbegehrt. ABER: mich frustriert die Art und Weise wie automatisiert Google/YouTube eine virtuelle Existenz zerstört. Platzverweis via Standardmail – Verbannung für immer!

Mit einem Klick zerstampft YouTube alles, was man sich so mühsam aufgebaut hat. Das Netzwerk, die Videos, einfach ALLES. Und nein, ich wurde nicht vorher 3x abgemahnt. Es traf mich wie der Blitz aus heiterem Himmel.

Und eben so fühle ich mich auch. Danke fürs Zuhören, die virtuellen Umarmungen auf Twitter und eure Treue.

Eines Tages hoffentlich wieder mit Videos
Euer Michael


Update (19.21 Uhr): ungelogen zwei (!!!) Minuten nachdem ich diesen Text fertig hatte, bekam ich Post vom YouTube-Team. Die Sperrung wurde nochmal geprüft und aufgehoben. Also doch: „Unschuldig verbannt! Administrator kommt versehentlich auf den falschen Knopf.“ 😉

Unglaublich, aber wahr. ALLES ist wieder da! Ich bin völlig fertig und heute um mindestens 100 Jahre gealtert. Diesen Tag werde ich nie vergessen, so viel ist sicher.

Und die Moral von der Geschicht: Man sollte den Tag nicht vor dem Abend verfluchen. 🙂

Den Tag nicht vor dem Abend verfluchen


PS: Ich habe doch etwas gezögert, ob ich diesen Text veröffentlichen soll. Er zeigt mich viel nackter und aufgewühlter als sonst. Am Ende habe ich mich für eine Veröffentlichung entschieden, weil ich denen, die mir gestern das Händchen hielten, auch diese Seite von mir gerne zeigen möchte. Schön, dass es euch gibt!